Juli-Geschichten
Wolle, learning-by-doing und Pläne für den Herbst
Ich konnte endlich die Wolle abgeben – juhui! Am Mittwochmorgen ging es mit dem Auto los Richtung Pragg-Jenaz zur Wollspinnerei Vetsch. Ich hatte Glück und musste nicht allein fahren, denn eine gute Freundin hatte gerade Zeit und begleitete mich. Mit insgesamt vier Säcken kamen wir schlussendlich an. Bei einem Sack war ich beim Sortieren sicher und in zwei weitere hatte ich jene Wolle reinsortiert, bei der ich nicht sicher war, ob die so noch gut ist oder schon zu stark verschmutzt. Da ich das das erste Mal gemacht habe, war das nämlich nicht so einfach und ich war sehr unsicher. Deshalb hat wohl auch das Sortieren überdurchschnittlich lange gedauert. Aber wie so oft, weiss ich im Nachhinein jetzt natürlich mehr, ein klassischer Fall von «learning-by-doing» also. Ich bin eigentlich eh davon überzeugt, dass man durchs Tun am meisten lernt. Gelernt habe ich auch, dass die Lammwolle, welche sich im vierten Sack befand, leider zu kurz war und das der bessere Scherzeitpunkt der Herbst ist, nicht der Frühling. Nach einer spannenden Führung und einem obligaten Besuch im hauseigenen Woll-Laden fuhren wir weiter nach Chur. Von dort aus haben wir dann die Nacht auf einem kleinen Camping-Platz verbracht. Danke, Jeanne, dass du mich begleitet hast. Das fertige Garn kann ich dann übrigens in fünf bis neun Monaten abholen gehen. Vorfreude ist die schönste Freude, oder?



Garten-Updates
Das heisste Wetter setzt natürlich auch meinem Garten zu. Die Regentonne ist schon lange leer und auch die Quelle führt nun zu wenig Wasser. So muss ich wohl oder übel meinen Garten mit Leitungswasser bewässern. Dies ist natürlich nicht optimal und für die Zukunft sind bessere Lösungen gefragt. Durch die Bewässerung ist es mir so aber trotzdem möglich nach wie vor viel Gemüse zu ernten: Brokkoli, Zwiebeln, Knoblauch, Krautstiel und Bundzwiebeln. Noch nicht ganz reif aber schon riesig ist der Kürbis, dem scheint es sehr zu gefallen. Das liegt wohl auch am Hühnermist, der dort deponiert wurde. Auch die Sojabohnen entwickeln sich prächtig, wer weiss, vielleicht gibt’s bald mal hausgemachter Tofu? Ich will mich nicht zu früh freuen, die Linsen haben nämlich auch ganz gut ausgesehen und sind jetzt braun und vertrocknet. Mein unfreiwilliges Experiment, gewisse Pflanzen zu spät auszusäen hat sich als erfolgreich herausgestellt. Die Gurken und die Bohnen, sowie Cosmeen und Färbermädchenauge wachsen kräftig. Gurken konnte ich sogar schon zwei ernten. Trotzdem möchte ich das nächste Jahr nicht wiederholen, auch deshalb nicht, weil ich doch die einte oder andere Pflanze nicht mehr angesät habe.


Färbe-Freitag
Wie schon erwähnt, färbe ich zu wenig. Der Färbe Freitag ist mein Versuch, das zu ändern. (Fast) jede Woche setzte ich deshalb ein neues Farbbad an. Im Juli habe ich immerhin zwei Färbungen geschafft. Da ich im Moment noch keine blühenden Färberpflanzen habe, experimentiere ich etwas herum. Vor fast zwei Jahren habe ich mal Randen in Salzlake fermentiert, nach einem Rezept von Céline Philippe. Die zwei Gläser habe ich hervorgeholt und damit gefärbt. Beim Öffnen hat es stark geschäumt und die fertige Farbe auf dem Garn ist überraschenderweise sehr dunkelviolett geworden. Das Färben mit Randen wird grundsätzlich nicht empfohlen, da die Farbe nicht sehr stabil ist, sie wäscht sich schnell heraus und bleicht aus. Nichtdestotrotz habe ich mit Randen gefärbt, weil es in erster Linie um das Experimentieren an sich geht. Schliesslich versteht sich Mariegold als Living Lab, das heisst, dass experimentiert und geforscht wird. Und wie beständig die Farbe dann tatsächlich sein wird, wird sich mit der Zeit zeigen. Ich halte dich jedenfalls auf dem Laufenden! Auch mit Brennnesseln habe ich gefärbt, es ergab ein sehr schönes Gelb, schau selbst:


Erstaunlich dunkle Farbe aus fermentierten Randen
Acht kleine Schritte für Mariegold
Mit acht kleinen Schritten sind Ende Juli zwei Spiegelschäfchen zu uns auf die Weide getrippelt. Die zwei sind im Januar 2026 auf die Welt gekommen und hören, mehr oder weniger, auf die Namen Käferli und Kandis. Was nach kleinen Schritten aussieht, ist in Wahrheit ein sehr grosser für das Projekt. Denn die beiden sind der Anfang der eigenen Wollproduktion und somit ein wichtiger Meilenstein. Spiegelschafe gehören zu den von Pro Specie Rara anerkannten Rassen und sind eine sehr alte, einmal sogar vom Aussterben bedrohte Rasse. Somit tragen sie zur tierischen Vielfalt und deren Erhalt bei. Käferli und Kandis sind die Schafe von Beat, welcher mir auch die Wolle geschenkt hat. Als wir die beiden abholen gingen, erzählte ich auch von meiner Woll-Sortier-Aktion und er hat mir angeboten, bei der nächsten Schur gleich dabei zu sein und die beste Wolle direkt auszusortieren. Somit werde ich sicher weniger Aufwand haben und noch bessere Qualität.


Was geschieht im August?
Gartenclub
Der nächste Garten-Club-Tag findet am statt. Schreib mir, falls du dabei sein möchtest! Dieses Mal wird es sicher auch wieder etwas zu ernten geben.
Garten
Natürlich gibt es auch im August wieder einiges zu tun im Garten. So muss ich den Brennnesseln mal ordentlich auf die Pelle rücken und sie abmähen. Dann gibt es sonst wie immer auch einiges zu jäten. Zudem will ich noch einiges Aussäen für den Winter. Und hoffentlich kann ich bald ein paar Färberpflanzen ernten.

Hoffentlich wachsen Färbermädchenauge und Cosmea kräftig weiter
Fördergelder, Wettbewerbe und so
Das mein Projekt nicht gerade billig ist, ist klar. Das ich das nicht alles selbst bezahlen kann, ist auch klar. Zumindest kann ich es nicht in dieser Anfangsphase. Deshalb heisst es für mich, hinsitzen, Laptop aufklappen und Fördergeldanträge schreiben. Auch stehen ein paar Wettbewerbe an, für die ich mich gerne bewerben möchte. Drück mir also die Daumen, damit ich bald positives berichten kann.

Vorbereitungen
Langsam aber sicher neigt sich mein Studium dem Ende entgegen. Langsam muss ich mich deshalb auch darauf vorbereiten. Im November steht noch die dritte und somit letzte Zwischenpräsentation an und im Januar habe ich dann die Abschlusspräsentation meiner Masterarbeit. Das alles scheint noch sehr weit weg zu sein doch schon bald werde ich dir hier schreiben, dass ich gerade im Abgabe-Stress bin und du dich deshalb mit der Rohfassung des Newsletters zufriedengeben musst. Naja, es wird schon klappen, jedenfalls wenn ich mich langsam beginne darauf vorzubereiten.
Fokus: Facts zur Schafhaltung in der Schweiz
- Immer weniger Betriebe halten Schafe, trotzdem nimmt der Schafbestand in der Schweiz langsam aber stetig zu. (Landwirtschaftlicher Informationsdienst, LID)
- In der Schweiz leben rund 400’000 Schafe. Jedes liefert jährlich etwa 4 kg Rohwolle. (Hochparterre)
- Swisswool zahlt für weisse Wolle guter Qualität bis zu CHF 1.50 pro Kilo, für braune Wolle deutlich weniger. Die Schur selbst kostet pro Schaf CHF 5–8. (SRF, Hochparterre)
- 2009 wurden die Wollsubventionen abgeschafft. Seither lohnt sich Wolle für Landwirt:innen kaum mehr. Im Frühling 2025 verhängte Swisswool wegen voller Lager erstmals einen Annahmestopp: Bis zu 80 Tonnen Wolle mussten Landwirt:innen auf eigene Kosten entsorgen. (SRF)
Facts zu den Spiegelschafen
- In der Schweiz vor nicht allzu langer Zeit fast ausgestorben. Heute ist der Bestand dank Erhaltungszucht wieder stabil.
- Die Lämmer sind bei der Geburt schwarz-weiss gefleckt, nach der ersten Schur wird die Wolle weiss. Nur die Zeichnung am Kopf bleibt dunkel.
- Das Spiegelschaf gehört zu den sechs ProSpecieRara Landschafrasse der Schweiz

